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Süßwasserschub fürs Polarmeer

Die Flüsse Sibiriens transportieren heute deutlich mehr Wasser ins Nordpolarmeer als vor sechzig Jahren, sagen Wissenschaftler. Grund dafür ist ein Wandel des Klimas, der mehr Schnee im Winter mit sich bringt und dazu führt, dass der früher das ganze Jahr gefrorene so genannte Permafrostboden teilweise auftaut. Gelangt über die Flüsse mehr Süßwasser in die nördlichen Meere, so könnte dies einen Einfluss auf die Meeresströmungen wie den Golfstrom haben, erklären die Forscher.

Jessie Cherry und ihre Kollegen analysierten Daten über Schneehöhe, Niederschläge, Temperaturen und Wassermengen im mehr als eine Million Quadratkilometer umfassenden Einzugsgebiet des Flusses Lena in Ostsibirien. Die durchschnittliche Schneehöhe im Winter in der Region hatte sich seit 1940 von 22 Zentimeter auf 44 Zentimeter verdoppelt, fanden die Forscher heraus. Obwohl die Sommer gleichzeitig trockener und kühler waren, stieg die gesamte von dem sibirischen Strom ins Meer entlassene Wassermenge um etwa zehn Prozent an. Frühere Studien an den weiter westlich gelegenen Flüssen Ob und Jenissei hatten bereits zu ähnlichen Ergebnissen geführt.
 
Dieser Anstieg sei nur zum Teil auf den vermehrten Schneefall zurückzuführen, erklären die Wissenschaftler. Einen Einfluss haben auch die heute insgesamt höheren Temperaturen, die teilweise zu einem Auftauen des Permafrostbodens geführt haben. Der aufgetaute Boden kann mehr Wasser aufnehmen, das dann dem Flusssystem zugeführt wird. Laut Cherry wird dieser Effekt in Zukunft weiter zunehmen und den arktischen Wasserhaushalt in Zukunft merklich verändern.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler sind nicht nur eine wichtige Datenbasis für Klimamodelle, sondern können auch bei der Vorhersage helfen, wie sich Meeresströmungen wie der Golfstrom künftig verändern werden. Eine Antriebsquelle dieser Meeresströmungen ist salzreiches und daher dichteres Wasser, das im Nordatlantik absinkt und dadurch warmes Wasser aus dem Süden anzieht. Je mehr Süßwasser aus den Flüssen in die nördlich gelegenen Ozeane gelangt, desto schwächer wird dieser Motor.


Quelle: wissenschaft.de

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